Auswahl und Anordnung des folgenden Materials ist jedem überlassen - Pausen nach Bedarf für stilles Gebet, Betrachtung, Sündenbekenntnis, freies Gebet, Schriftlesung, Psalmen, Lieder usw.
Der folgende Text wurde für den Bußgottesdienst am Holokaust-Gedenktag Jom HaShoah bei der Bußkonferenz Pflüget ein Neues ... in Jerusalem im April 2001
Eingang
Alle singen
Aus tiefer Not laßt uns zu Gott
von ganzem Herzen schreien,
bitten, daß Er aus Seiner Gnad
uns woll vom Übel bfreien
und alle Sünd und Missetat,
die unser Fleisch begangen hat,
als Vater uns verzeihen.
Zwar unsre Schuld ist groß und schwer,
von uns nicht auszurechnen;
doch Dein Barmherzigkeit ist mehr,
die kein Mensch kann aussprechen:
die suchen und begehren wir
und hoffen, Du läßt es an Dir
uns nimmermehr gebrechen.
Wenn ins Gericht Du wolltest gehn
und mit uns Sündern rechten,
wie könnten wir vor Dir bestehn
und wer würd uns verfechten!
O Herr, sieh uns barmherzig an
und hilf uns wieder auf die Bahn
zur Pforte der Gerechten.
Michael Weiße, ca. 1488–1534
EKG 118
Einführende Worte
L
Ewiger Vater, Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
wir kommen heute vor Dein Angesicht als Vertreter verschiedener Nationen und christlicher Traditionen. Vereint mit Christen über der ganzen Welt gedenken wir vor Dir der zweitausendjährigen Geschichte der Christenheit. Wie Esra, Nehemia und Daniel in einer besonderen Zeit in der Geschichte ihres Volkes ihre Sünden und die Sünden ihrer Väter bekannten – so wollen wir zu Beginn dieses neuen Jahrtausends ein öffentliches Sündenbekenntnis ablegen vor Gott und dem jüdischen Volk – hier in Jerusalem, dem Geburtsort der Kirche.
L
Herr, erhöre unser Gebet,
A
vernimm unser Flehen.
L
Um Deiner Treue willen erhöre uns und geh nicht ins Gericht mit Deinem Knecht; denn vor Dir ist kein Lebendiger gerecht. nach Psalm 143,1–2
Soll ich meines Bruders Hüter sein?
L
In den ersten Kapiteln der Bibel lesen wir von Kain und Abel. Aus Neid hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen. Aber Gottes Ruf erreichte ihn: „Wo ist dein Bruder Abel?"
Heute fragt Gott uns: „Wo ist dein Bruder Israel? Wo ist er?" Wenn wir dann antworten: „Ich weiß nicht – soll ich meines Bruders Hüter sein?", wird Gott auf Auschwitz zeigen, auf die rauchenden Schornsteine.
L
Er wird auf Babi Yar zeigen, den Ort eines der niederträchtigsten Massaker im zweiten Weltkrieg.
L
Er wird auf Evian-les-Bains zeigen, wo 1938 Vertreter vieler Nationen über die Zukunft der europäischen Juden berieten – sie dann aber doch ihrem Schicksal überließen.
L
Er wird auf die Länder der freien Welt zeigen, die weithin ihre Türen vor den flüchtenden Juden verschlossen und sie damit der Vernichtung preisgaben.
L
Er wird uns zur Rede stellen, zu welchem Volk wir auch gehören, und uns fragen: Wo war euer christliches Gewissen?
L
Hunderttausende Juden sind im christlichen Abendland grausam hingemordet worden – sei es direkt durch Übergriffe „frommer" Christen, sei es indirekt durch den Einfluß antijudaistischer Theologie und Unterweisung. Allein im 20. Jahrhundert sind mehr als sechs Millionen Juden ermordet worden. Und Gott fragt uns: „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu Mir von der Erde" (1.Mose 4,10).
L
Keiner von uns kann sich entziehen.
L
Herr, wir können keinen Segen erwarten für unser Volk und unsere Kirche, wenn wir nicht vor Dir unsere Sünde bekannt haben – unsere persönliche Schuld und die Schuld unserer Vorfahren. – So lesen wir beim Propheten Jesaja:
L
Siehe, des Herrn Arm ist nicht zu kurz, daß Er nicht helfen könnte, und Seine Ohren sind nicht hart geworden, so daß Er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen Sein Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt. Jesaja 59,1–3
A
Herr, wir bekennen: Unsere Hände sind mit Blut befleckt.
Instrumentalmusik
Gedenken
L
Als 1938 in Deutschland die Synagogen brannten, hat sich entsetzlich erfüllt, was in Psalm 74 geschrieben steht:
L
Der Feind hat alles verheert im Heiligtum.
Sie sprechen in ihrem Herzen: Laßt uns sie ganz unterdrücken!
Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande.
Psalm 74,3.8
L
Und wer – ganz gleich in welchem Land – hat im Grauen des Holokaust auf Gottes Mahnen gehört:
L
Du sollst nicht herabsehen auf deinen Bruder … die Söhne Juda … Du sollst nicht nach seinem Gut greifen zur Zeit seines Jammers.
L
Du sollst nicht stehen an den Fluchtwegen, um seine Entronnenen zu morden; du sollst seine Übriggebliebenen nicht verraten zur Zeit der Angst.
L
Denn der Tag des Herrn ist nahe über alle Heiden. Wie du getan hast, soll dir wieder geschehen, und wie du verdient hast, so soll es auf deinen Kopf kommen. aus Obadja 12–15
Wir beklagen
L
Als der jüdische Dichter Aychenrand 1942 auf der Flucht vor den Nazis an der Schweizer Grenze nach seinem Alter gefragt wurde, antwortete er: „Ich bin 2000 Jahre alt".
L
Vor Gott aber sind tausend Jahre wie der Tag, der gestern vergangen ist. vgl Psalm 90,4
L
In tiefer Scham beklagen wir die Greueltaten des Mittelalters, als die Kreuzfahrer auf dem Weg ins Heilige Land mordend und plündernd durch Europa zogen und blühende jüdische Gemeinden auslöschten.
A
Wir beklagen,
L
daß die jüdische Bevölkerung in Jerusalem bei lebendigem Leib in der Synagoge verbrannt wurde, während die Kreuzfahrer fromme Lieder sangen, ihre Kreuze schwenkten und glaubten, sie würden den Tod Christi rächen.
A
Wir beklagen
L
die entsetzlichen Pestverfolgungen im 14. Jahrhundert, bei denen die Juden zu Tausenden auf grausame Weise umgebracht wurden.
A
Wir beklagen
L
die Ausgrenzung der Juden, indem man sie in Gettos zusammenpferchte und sie zwang, ein schmachvolles Judenkennzeichen zu tragen, einen Vorläufer des gelben Sterns.
A
Wir beklagen
L
die Zwangstaufen, denen die Juden nur durch Exil oder Tod entgehen konnten.
A
Wir beklagen,
L
daß Juden fälschlich der Ritualmorde, Hostienschändungen und Verschwörungen angeklagt wurden – zahllose Unschuldige mußten dadurch ihr Leben lassen.
A
Wir beklagen
L
die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten der spanischen Inquisition, die Tausende von zwangsgetauften Juden zum Tod auf dem Scheiterhaufen verdammte, weil sie an ihren jüdischen Bräuchen festhielten.
A
Wir beklagen
L
die Pogrome, zu denen immer wieder auch christliche Feste wie Weihnachten, Karfreitag und Ostern mißbraucht wurden.
A
Wir beklagen
L
die auf Theologie, Predigt und christliche Unterweisung gegründeten Vorurteile, die viele von uns oder unsere Eltern und Großeltern dazu brachten, der Judenverfolgung im Dritten Reich schweigend zuzustimmen oder gleichgültig daran vorüberzugehen. Nur sehr wenige Christen standen ihren jüdischen Brüdern und Schwestern in der Stunde ihrer größten Not zur Seite.
*
L
Herr, erbarme Dich,
A
und vergib uns unsere Schuld an Deinem auserwählten Volk.
Die Wurzel, die dich trägt
L
Obwohl Gottes Wort von Seinem auserwählten Volk, den Juden, sagt,
sie sind 'Geliebte um der Väter willen', war die Einstellung der Christenheit zum jüdischen Volk in den vergangenen 2000 Jahren nicht von Liebe geprägt.
vgl. Römer 11,28
A
Wir bekennen, daß uns die Liebe fehlte. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Als Christen hatten wir nicht im Herzen, was die Bibel sagt:
L
So rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, daß nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich!
Römer 11,18.20
A
Wir bekennen unsere geistliche Überheblichkeit. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Wir Christen sind schuldig; denn wir haben versucht, Israels Erstgeburtsrecht zu stehlen. Wir haben seine Auserwählung für uns beansprucht und behauptet, die Kirche sei an Israels Stelle getreten, wir Christen seien das neue Israel, und der Bund Gottes gehöre nun uns allein. Das haben wir im Gegensatz zur Heiligen Schrift getan, die klar und deutlich sagt:
L
Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Römer 9,4–5
A
Wir bekennen unsere Habgier. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Falsche theologische Lehren brachten unsere Vorfahren dazu, die Juden zu verfolgen und dabei noch zu meinen, Gott einen Dienst zu tun und den Tod Jesu zu rächen – obwohl Dein Wort sagt, daß Heiden und Juden Seinen Tod verschuldet haben:
L
»Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und Seinen Christus.« Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen Deinen heiligen Knecht Jesus, den Du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels.
Apostelgeschichte 4,26–27
A
Wir bekennen unsere Blindheit. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Voll Schmerz bekennen wir, daß angesehene Kirchenväter – und später der Reformator Martin Luther – haßerfüllte, unwahre Erklärungen über die Juden abgaben, die mithalfen, dem Holokaust den Weg zu ebnen. Wir beugen uns unter unseren Hochmut und Neid, die Wurzel dieser verkehrten und bösen Behauptungen. Denn unmißverständlich heißt es im Neuen Testament:
Gott hat Sein Volk nicht verstoßen, das Er zuvor erwählt hat.
Römer 11,2
A
Wir bekennen unser Verleumden. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Wir bekennen, daß wir die Heilige Schrift mißbraucht und alle Segensverheißungen an uns gerissen haben – nur die Gerichtsandrohungen überließen wir Israel.
A
Wir bekennen den Mißbrauch der Heiligen Schrift. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Als Völkerfamilie haben wir ohne weiteres angenommen, Richter über Israel zu sein. Wir haben nicht seine einzigartige Rolle als Gottes auserwähltes Volk anerkannt – und auch nicht seinen von Gott gegebenen Auftrag, Segensträger für die ganze Welt zu sein. Das haben wir getan – trotz Deiner Mahnung:
L
Ich will alle Heiden zusammenbringen und will sie ins Tal Joschafat hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen Meines Volks und Meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Heiden zerstreut und sich in Mein Land geteilt haben.
Joel 4,2
A
Wir bekennen unsere Anmaßung. Herr, vergib uns unsre Schuld.
L
Herr, erbarme Dich
A
und vergib uns unsere Schuld an Deinem auserwählten Volk.
Instrumentalmusik
Ansprache
Der leidende Gottesknecht
L
Durch alle Jahrhunderte ist Gottes auserwähltes Volk dem leidenden Gottesknecht in Jesaja 53 ähnlich gewesen: verachtet, verworfen, voller Schmerzen. In den messianischen Psalmen können wir den gequälten Aufschrei des jüdischen Volkes hören, der im Holokaust auf den Höhepunkt kam.
L
Meine Seele ist übervoll an Leiden,
und mein Leben ist nahe dem Tode.
L
Ich liege unter den Toten verlassen,
wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen,
derer Du nicht mehr gedenkst
und die von Deiner Hand geschieden sind.
L
Das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
L
Die mich ohne Grund hassen,
sind mehr, als ich Haare auf dem Haupte habe.
Die mir zu Unrecht feind sind
und mich verderben wollen, sind mächtig.
L
Die Schmähungen derer, die Dich schmähen, sind auf mich gefallen.
Die Schmach bricht mir mein Herz und macht mich krank.
Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand,
und auf Tröster, aber ich finde keine.
L
Sie geben mir Galle zu essen
und Essig zu trinken für meinen Durst.
L
Meine Tage sind vergangen wie ein Rauch,
und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer.
Mein Gebein klebt an meiner Haut
vor Heulen und Seufzen.
L
Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Psalm 88,4.6; 69,2–5.10.21–22; 102,4.6; 22,2
Instrumentalmusik
Schmerz Gottes
S
Vor fast 50 Jahren schrieb Mutter Basilea:
Können wir Deutschen eigentlich noch unter dem freien Himmel unseres Vaterlandes dahingehen, des Tages unter der Sonne und des Nachts unter dem Sternenhimmel, und uns dessen freuen, ohne uns zu schämen? Müssen wir nicht immer eingedenk sein, daß unter diesem selben Himmel inmitten unseres Volkes … riesige Feuerlohen von den verbrannten Leibern von Millionen Menschen Tag und Nacht aufstiegen? Waren diese Feuerlohen nicht wie ein Verzweiflungsschrei und ein anklagend aufgerichteter Finger? Ja, die Sonne müßte ihr Angesicht verhüllen, die Sterne dürften eigentlich nicht mehr scheinen, die solches mit angesehen haben.
Doch nicht nur die Sonne, sondern der ganze Himmel, ja das Herz Gottes des Vaters hat solches mit ansehen müssen. Unausdenkbar war wohl Sein Schmerz, als Er herabschauen mußte in das Grauen der Lager, zu den verzweifelten Menschen, die doch Seine Geschöpfe und Kinder waren, ja die zu Seinem auserwählten Volk gehörten, dem Volk Seiner Liebe.
aus: Israel, Mein Volk
L
Beim Propheten Sacharja lesen wir:
Wer euch antastet [Israel], der tastet Meinen [Gottes] Augapfel an.
Sacharja 2,12
L
Und bei Jesaja:
Wer sie ängstete, der ängstete Ihn auch.
Jesaja 63,9 (L1912)
L
Wir hören die Worte Jesu:
L
Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr Mir auch nicht getan. Denn Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt Mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt Mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt Mich nicht besucht.
Matthäus 25,45; 42–43
Wo war der barmherzige Samariter, als die Juden unter die Räuber gefallen waren? Wo war die christliche Gemeinde, die jenem gleichen sollte? Davon war kaum etwas zu sehen, nur einzelne waren da, die Juden heimlich bei sich aufnahmen oder ihnen sonst etwas Gutes taten. Es zeigte sich, daß die christliche Gemeinde nicht jesusähnlich war, nicht Seine Jünger darstellte, nicht wie der barmherzige Samariter handelte (Lukas 10).
So können wir uns nur wie der verlorene Sohn zu des Vaters Füßen werfen und bekennen: „Ich bin nicht mehr wert, Dein Sohn zu heißen" (Lukas 15,21 Menge). Wir haben nichts mehr von dem Bild des Vaters an uns getragen. Denn das Bild des Vaters ist Liebe, ist Erbarmen – und diesen Zug hat Sein Volk nicht an uns gefunden.
Alle singen
O Schmerz, o Schmerz meines Gottes,
so abgrundtief und weit,
o Schmerz, den bracht Ihm mein Sündgen;
die Sünde ist Gottes Leid.
Doch wir sind die Ursach, wir Sünder,
daß Sein Herz tränenschwer;
weil Er so liebt, muß Er weinen,
bis Reue Ihm Trost bescher.
Wie soll ich das jemals verstehen,
daß Gott um mich trägt Leid?
Es ist Sein unendliches Lieben,
daß Sünd Ihm solch Schmerz bereit'.
M. Basilea Schlink
Instrumentalmusik
Bitte um Vergebung
L
2000 Jahre lang hat Gott Leid getragen über unsere Einstellung zu unserem älteren Bruder Israel. Durch unser Verhalten haben wir uns als Feinde Seines Wortes und Seiner Heilsratschlüsse erwiesen. Alles, was wir von Gott wissen, wurde uns durch Juden überliefert. Jesus selbst sagte: „Das Heil kommt von den Juden" (Johannes 4,22).
Wir haben uns gegen Gottes Volk gestellt und damit gegen Gott.
Wir können jahrhundertelanges Unrecht nicht ungeschehen machen, wir können die Toten nicht wieder zum Leben erwecken – aber wir wollen wenigstens unsere Schuld zugeben und von unseren bösen Wegen umkehren. Wenn wir jetzt dem Antisemitismus der Vergangenheit und Gegenwart absagen, verpflichten wir uns, in Zukunft jeglichem Antisemitismus entgegenzutreten.
L
Wir wollen uns erheben zu einem gemeinsamen Bußakt und als Zeugnis vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt in die Worte des Bekenntnisses einstimmen, das wir bereits unterschrieben haben. Einige Vertreter der heute hier anwesenden Völker kommen dazu nach vorne.
In tiefer Reue und Beschämung treten wir vor Gott,
den Allmächtigen und Barmherzigen,
und bekennen uns zu der großen Schuld,
zu dem schweren Unrecht, das Jahrhunderte hindurch
inmitten Seiner Kirche am jüdischen Volk begangen worden ist.
Wir bekennen, daß wir und unsere christlichen Vorfahren
unserem älteren Bruder Israel oft mit Vorurteilen
und Feindschaft begegnet sind,
statt die zu lieben, die Gott in Seiner Liebe erwählt hat.
Im Lauf der Jahrhunderte sind Juden immer wieder
von Christen als Gottesmörder diffamiert worden,
und bis heute hat die Lehre nicht ausgerottet werden können,
Gott habe ein Ende gemacht mit Israel,
obwohl die Heilige Schrift eindeutig das Gegenteil bezeugt.
Sein Volk ist der Brunnenvergiftung und des Ritualmordes bezichtigt,
entehrt und entrechtet, verfolgt und geächtet worden.
Die grausame Ermordung von sechs Millionen Juden im Holokaust,
dem entsetzlichen Höhepunkt
dieser Geschichte schreienden Unrechts,
liegt wie eine schwarze Wolke noch heute über uns.
Darum tun wir Buße und flehen zu dem allmächtigen Gott,
Er möge uns gnädig sein und uns vergeben,
was wir und unsere Vorfahren
Seinem erwählten Eigentumsvolk angetan haben.
Wir geloben, jeglichem Antisemitismus entgegenzutreten
und uns dafür einzusetzen,
daß in Zukunft dem jüdischen Volk in der Kirche Jesu Christi
die Achtung und Zuwendung gegeben wird,
die ihm aufgrund der bleibenden Erwählung Gottes zukommt.
So erflehen wir Gottes Segen auf Sein Bundesvolk
in Israel und in der Zerstreuung,
vor allem in den Ländern, aus denen wir kommen. Amen.
Überreichen der Unterschriften Instrumentalmusi
Gott, sei mir Sünder gnädig
L
Mit Worten aus Psalm 51 bekennen wir unsere Schuld und die Schuld unserer christlichen Vorfahren. Wir haben gesündigt gegen den heiligen Gott, den Gott Israels.
A
Gott, sei mir gnädig nach Deiner Güte,
und tilge meine Sünden nach Deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat,
und reinige mich von meiner Sünde;
denn ich erkenne meine Missetat,
und meine Sünde ist immer vor mir.
An Dir allein habe ich gesündigt
und übel vor Dir getan.
Errette mich von Blutschuld,
Gott, der Du mein Gott und Heiland bist.
L
Wir liegen vor Dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf Deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18
L
So spricht der Herr:
Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Jesaja 1,18
L
Im Neuen Testament wird uns zugesagt:
Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1.Johannes 1,9
Instrumentalmusik
Der Hirte Israels
L
Laßt uns beten:
A
Gott, unser Vater, wir bitten Dich,
L
laß uns ein wenig teilhaben an dem, was Dein Herz bewegt für Dein Volk, das Du zu Deinem Eigentum erwählt hast – das Du liebst und durch das Du der ganzen Welt Heil bringen willst.
vgl 5.Mose 7,6–8; 1. Mose 12,3
A
Gott, unser Vater, wir bitten Dich,
L
tröste Dein Volk Israel – in dem Maß, wie wir es verwundet und ihm unsagbares Leid angetan haben.
Chor Ich muß Mich sein erbarmen!
Ist nicht Ephraim Mein teurer Sohn?
Ist er nicht Mein trautes Kind!
Denn Ich denke noch wohl daran,
was Ich ihm geredet habe;
darum bricht Mir Mein Herz gegen ihn. nach Jeremia 31,20
L
Wir und unsere Vorväter haben Deine Heilspläne mit Israel nicht erkannt, ihnen oft sogar widerstanden. Nun aber wollen wir beten für die Erfüllung der Verheißungen, die Du Deinem Volk gegeben hast:
A
Die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.
Jesaja 60,3
L
So werden viele Völker, Heiden in Scharen, kommen, den Herrn Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den Herrn anzuflehen.
Sacharja 8,22
L
Zur selben Zeit will Ich euch heimbringen und euch zur selben Zeit sammeln; denn Ich will euch zu Lob und Ehren bringen unter allen Völkern auf Erden, wenn Ich eure Gefangenschaft wenden werde vor euren Augen, spricht der Herr.
Zefanja 3,20
L
Mit dem Psalmisten beten wir für den Frieden Jerusalems:
A
Wie um Jerusalem Berge sind, so ist der Herr um Sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.
Psalm 125,2
L
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
A
Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand.
Der Herr behüte dich vor allem Übel.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! aus Psalm 121
L
Herr Gott, himmlischer Vater, in jeder Not bist Du Deines Volkes Hirte gewesen durch alle Jahrhunderte.
L
Und wiewohl ihn die Schützen erzürnen und gegen ihn kämpfen und ihn verfolgen, so bleibt doch sein Bogen fest und seine Arme und Hände stark durch die Hände des Mächtigen in Jakob, durch Ihn, den Hirten und Fels Israels.
1.Mose 49,23–24
L
Du stehst zu Deinem Wort:
L
Wie ein Hirte seine Schafe sucht, so will Ich Meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels.
aus Hesekiel 34,12–13
L
Angesichts aller Kämpfe, die unsere jüdischen Brüder und Schwestern zu durchstehen haben, rufen wir zu Dir, dem Hirten Israels:
A
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um Seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Psalm 23
Ehre und Preis dem Gott Abrahams
L Mit dem folgenden Lied bekennen wir unseren Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, an den Einen, der da ist und der da war und der da kommt.
Alle singen
O preist Abrahams Gott,
gebt Seinem Namen Ehr,
der war und ist und bleiben wird –
wer ist wie Er!
Der ewig eine Gott,
der schuf das Weltall weit,
ist A und O, ist Anfang, End
in Ewigkeit.
Der ewges Leben senkt
tief in der Seelen Grund,
des Liebe macht uns stark und fest
zu jeder Stund.
O preist den ewgen Gott,
gebt Seinem Namen Ehr,
der war und ist und bleiben wird –
wer ist wie Er!
Der Gottesgeist stets weht
und wirket, wo Er will,
der einst sprach durch Prophetenmund,
schweigt heut nicht still.
Fest stehet Sein Gesetz,
währt ehern fort und fort,
tief eingeprägt ins Menschenherz
an jedem Ort.
traditionelle hebräische Melodie
Text: Daniel ben Judah Dayyan,
engl. Max Landsberg, Newton Mann, 1885
Der Aaronitische Segen
L
Und nun erflehen wir den Segen Gottes, wie Er ihn vor Zeiten durch Mose auf Sein Volk gelegt hat:
Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig;
der Herr hebe Sein Angesicht über dich
und gebe dir Frieden. 4.Mose 6,24–26
A
Amen.
Bibelzitate meist Lutherbibel, revidierter Text 1984
Zur Vorbereitung eines solchen Bußgottesdienstes siehe auch Schriften von M. Basilea Schlink,
Verlag Evangelische Marienschwesternschaft e.V., Darmstadt-Eberstadt: Israel, Mein Volk (150 Seiten) Israelgebet (24 Seiten)